"Sind wir nicht alle
ein bisschen Familie?"
Fachkongress am 25.09. in der Hochschule Coburg:
"Familienfreundlichkeit in der Arbeitswelt"
Nachlese von Zaungast
Es war ein hochkarätiger Kongress unter der Schirmherrschaft
von Dr. Ursula von der Leyen und dem Bay. Staatsministerium
für Arbeit, Soziales, Familie und Frauen, zu dem der Firmenchef
der DATEX-PERFEKT GmbH, Helmut Schiffner, als Praxisreferent
geladen war. In bester Gesellschaft von Präsidenten, Staatsdienern,
Funktionären, Landräten, Bürgermeistern, Vorständen, Professoren,
Unternehmern, Führungskräften - und last but not least:
der ZDF-heute-Nachrichten-Moderatorin Petra Gerster - verlieh der
DATEX-Chef in zwei Vorträgen dem Kongressthema eine, d.h. seine,
ganz persönliche Note. Und das war gut so.
Bleich, äußerlich gefasst und innerlich adrenalinangereichert,
wartet er im Hörsaal auf sein Publikum. Und es kommt zahlreich.
Nicht ein Klappsessel bleibt frei. TV-Kamera, Analog- und DigiCams
zoomen sich auf ihn ein.
H.S. redet gleich Klartext: "Von mir bekommen Sie keinen Lesestoff,
ich beame nichts an die Leinwand, ich erzähle Ihnen einfach was."
Und zur Untermalung greift er sich ein Stück Kreide und schreibt
herausfordernd zwei Schlüsselbegriffe an die (Hoch)schultafel:
"familienfreundlich"? oder "mitarbeiterorientiert"?
Er hinterfragt, was Politik, Wirtschaft und Verbände eigentlich unter
"familienfreundlich", "familienfreundliche Maßnahmen"
verstehen: ist es der Klassiker, der Betriebskindergarten für die
Familie mit Kleinkind? Wie verhält es sich dann mit Familien, die da
keinen Bedarf haben? Gehn die "leer" aus? Wie definiert sich denn
Familie nach Meinung von Politik und Arbeitgebern überhaupt?
Zählen auch "Nur-Ehepaare" dazu, Lebensgemeinschaften - und gar
von Schwulen? Alleinerziehende? Die Einzelperson mit der pflege-
bedürftigen Oma? Alles Familie oder etwa doch nicht?
"Wie auch immer", sagt H.S., "für mich und meine Firma gilt:
Wir alle sind ein bisschen Familie...im Betrieb und in unserer häus-
lichen Gemeinschaft."
Damit bringt der DATEX-Chef auf den Punkt, worauf das Auditorium
gespannt wartet - nämlich seine Sicht der Dinge:
"Familienfreundlichkeit" per se ist ein eher unrealistisches "Image-
Etikett" mancher Unternehmen, als dass es konkret im Berufs- und
Familienalltag greift. Realistischer ist ein anderer Ansatz, nämlich:
Im Vordergrund, im Mittelpunkt aller Bemühungen muss die direkte
Bezugsperson zum Betrieb und zur "Familie" stehen, das Bindeglied:
die Mitarbeiterin, der Mitarbeiter selbst. Will heißen:
"Orientiert sich die Firma am Mitarbeiter und schafft die Voraus-
setzungen für gute Arbeitsbedingungen und damit zum Wohlfühlen,
dann überträgt sich das wie von selbst auch auf den Nutznießer -
die Familie, die Gemeinschaft, den Partner."
H.S. zählt die wesentlichen Punkte für seine DATEX auf:
Selbstbestimmung und Mitbestimmung zu den Arbeitsmöglichkeiten -
Arbeitsrhythmus, -pensum, -zeit.
Urlaubsplanung ohne Urlaubsplan -
Freiraum für flexible, kostenorientierte Urlaubsgestaltung ganz nach
dem individuellen Bedarf und der jeweiligen persönlichen Situation.
Freie Wahl der Niederlassung -
mit der steten Möglichkeit eines auch kurzfristigsten Ortswechsels.
Betriebsfahrgemeinschaft -
mit Kostenzuschuss für Fahrer und Mitfahrer.
Personalberatung in beruflichen wie privaten Angelegenheiten -
ohne Voranmeldung, ohne Hemmschwelle, ohne Berührungsängste.
Lehrlingsausbildung -
mit Chancengleichheit für alle Schulabgänger, ob Hauptschüler,
Realschüler oder Gymnasiasten.
"Das ist es, was ich, was wir unter Familienbewusstsein - oder
wenn Sie so wollen, familienfreundlich verstehen", betont H.S.;
"die Konzentration auf Mitarbeiterzufriedenheit trägt auf Dauer
und als Positiv-Multiplikator maßgeblicher zu einem konflikt- und
sorgenfreieren Alltag bei als es manche noch so attraktiv erschei-
nende Einzelmaßnahme vermag."
Sein Rat an die Arbeitgeber: "Räumen Sie Ihren Mitarbeitern
möglichst viele Freiräume ein. Seien Sie nicht unsicher, ob das
gutgehen kann. Denn die hohe Wahrscheinlichkeit, dass es gutgeht,
liegt in Ihrer positiven Risikobereitschaft!"
Die anschließende Diskussion mit und zwischen den Teilnehmern
zu "Schiffners Thesen der ganz besonderen Art" musste nach Über-
schreiten des Zeitlimits eingebremst werden, denn die nächste
Gruppe stand vor der Tür: "The same procedure..!"
Würde es noch einer Bestätigung bedürfen, wie eindrucksvoll
"Person und Unternehmer Schiffner" das Thema interpretierte und
schier unterhaltsam nahe brachte, dann wohl damit:
Prof. Dr. Dr. H. Schneider vom Forschungszentrum Familienbewusste
Personalpolitik bezog den DATEX-Chef achtmal (Zaungast hat mitgezählt)
emotional und faktisch in seinen eigenen Vortrag mit ein.
Der Zaungast möchte seine Nachlese - besser: "Erlebnisbericht"
abschließen mit dem Schlusswort von Helmut Schiffner:
"Ist DATEX-PERFEKT" nun eine Bilderbuchfirma?
Nein. Ganz und gar nicht.
Denn Bilderbücher haben meist etwas Märchenhaftes.
Wir aber stehen mit unseren rund 800 Beinen fest auf dem Boden
der Tatsachen!"
Nachlese von Zaungast