„Altbewerbern“ eine Chance geben
Projektgruppe „Arbeit für Jugend“ hat sich hohes Ziel gesteckt / Bereits erste Vermittlungserfolge
„Ausbildung macht Freude“, weiß Helmut Schiffner von der Datex Perfekt GmbH und ermutigt Unternehmerkollegen, jungen Leuten eine Chance zu geben. Elf Ausbildungsplätze zum Kaufmann/-frau für Dialogmarketing hat er im vergangenen Jahr zu Verfügung gestellt und es nicht bereut.
KRONACH – Auch heuer möchte er wieder „zuschlagen“ und auch so genannte „Altbewerber“ berücksichtigen, die trotz mehrfacher Versuche in den vergangenen Jahren gescheitert sind, ihre Ausbildungsstelle zu erhalten. Auf diese Altbewerber, im gesamten Landkreis Kronach etwa 250 junge Männer und Frauen, hat es die Projektgruppe „Arbeit für Jugend“, eine Initiative von Kronach Creativ, abgesehen. Durch verstärkte Anstrengungen der Akquisiteure Christian Förtsch und Fred Wunder will man auch diese jungen Menschen in Arbeit bringen. Die Akquisiteure vermitteln in ihren Bemühungen „Altbewerber“ in Handauslese.
„Arbeit für Jugend“ hat eine Vision: „Alle arbeitsuchenden Jugendlichen im Landkreis sollen einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz bekommen“, sagte Kronach Creativ-Vorsitzender Rainer Kober jetzt bei einem Pressegespräch in den Räumen der WSE in Kronach. Dabei habe man aber von Anfang an gewusst, dass dies ein hohes Ziel sei. Viele Sitzungen hätten im Arbeitskreis stattgefunden, er könne aber feststellen: „Es war es wert, und wir haben etwas bewegt.“ So konnten bereits einige „Altbewerber“ vermittelt werden.
Um das Ziel zu erreichen, müsse man das Rad nicht neu erfinden, sondern könne mit den vorhandenen Stellen kommunizieren und kooperieren, so Kronach Creativ-Geschäftsführer Wolfgang Puff. Für das Projekt „Arbeit für Jugend“ wolle man seitens von Kronach Creativ eine Kampagne starten. „Wir müssen eine „Betroffenheit“ schaffen und die schafft man nicht auf der abgehobenen Ebene des Landkreises, sondern vor Ort in den Gemeinden.“ Dort könne man ein Bewusstsein schaffen, damit sich der Ehrgeiz entwickelt, die Probleme gemeinsam zu lösen. Vor Ort in den Gemeinden brauche man aber Mitstreiter – verdiente Bürger, Unternehmer und Senioren – die im Sinne von Patenschaften fungieren und Jugendliche an die Hand nehmen.
„Zurzeit erkennen wir auch für junge Leute einen positive Arbeitsmarktentwicklung“, freute sich beim Pressegespräch Rainer Detsch von der Agentur für Arbeit Coburg–Kronach. Allerdings reagiere der Ausbildungsbereich nicht so flexibel, weil sich Betriebe durch einen Ausbildungsplatz auf drei Jahre festlegen müssten. Dankbar sei man für jede Unterstützung, wie aben auch die Initiative von Kronach Creativ, die eine Eigendynamik entwickle.
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Noch Potenzial
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Die „Altbewerber“ nicht als Problem, sonder als Potenzial zu sehen, darauf legt Rainer Detsch Wert, vor allem mit Blick auf den drohenden Fachkräftemangel. „Manche Betriebe haben schon jetzt Probleme, weil sie bestimmte Stellen im Facharbeiterbereich nicht mehr besetzen können“, weiß er. Hier setze die Initiative an.
Man habe ein Potenzial das über zwei der drei Jahre nicht ausgeschöpft wurde und das abgeschöpft werden müsse, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Mit zusätzlichem Personal bringe man Jugendliche und Betriebe zusammen und versuche in Qualifizierungsmaßnahmen Defizite zu beheben. Für Jugendliche werde dabei auch oft ein notwendiger Perspektivwechsel erarbeitet – was oft auch den Abschied vom so genannten oder vermeintlichen Traumberuf bedeute.
„Der Tenor ,Mut machen‘ ist ganz wichtig bei der Geschichte“, betonte der Unternehmer Helmut Schiffner: „Es geht nicht nur darum, den Jugendlichen Mut zu machen, sondern auch den Unternehmern“. Oft gebe es Vorbehalte in Bezug auf Ausbildungsplätze, das sei auch in seiner Firma so gewesen. Letzten Endes sei aber auch die Belegschaft überzeugt gewesen und man wolle in diesem Jahr wieder Lehrlinge einstellen. „Man kriegt viel zurück“, weiß Helmut Schiffner.
„Seitens der Gemeinden besteht ein großes Interesse, dass Ausbildungsplatzsuchende erfolgreich sind“, betonte der Steinwiesens Bürgermeister Gerhard Wunder. Man müsse mit den Jugendlichen ins Gespräch kommen und ihnen Mut machen, denn sie werden gebraucht. Hierfür müsse man die Bevölkerung sensibilisieren. Es gehe darum, junge Menschen nicht zu verteufeln, sondern ihnen eine Chance zu geben. Als Kommune müsse man zudem verstärkt auch auf die Eltern zugehen.
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„Fit for Work“
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„Das in diesen Tagen neu aufgelegte Förderprogramm der Staatsregierung ,Fit for Work‘ zielt genau auf die Schaffung von zusätzlichen Ausbildungsplätzen für ,Altbewerber‘ ab. Damit erhalten die Bemühungen im Rahmen des Projektes letztlich auch eine Bestätigung, dass sie genau in die richtige Richtung zielen“, so Gerhard Wunder.
„Es geht um eine Gruppe von jungen Menschen, die sich wirklich bemühen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, aber noch nicht zum Zuge gekommen sind“, resümierte Rainer Kober. „Den Suchenden, denen wollen wir Mut machen, da sollte Erfolg möglich sein.“ pf