Datex-Perfekt News
2009-11-10
Auf dem Weg zum Unternehmen 2.0

Vorbemerkung unseres Chefs:

Dieser Artikel passt sehr gut  zum Thema eines Vortrags beim Werkstattgespräch von KC-Creativ zum Thema "Einsatz von Messengern in der Unternehmenssteuerung" den ich am 10.11.09 in Stockheim gehalten habe:

 

Neue Kommunikationsmittel ermöglichen nie dagewesene Formen der Zusammenarbeit - fordern aber auch von den Beschäftigten technische Fertigkeit und mehr Eigeninitiative. Der Lohn sind Freiräume bei der Arbeit. Zwei Drittel der berufstätigen Internetnutzer sind auch nach Büroschluss per Handy oder E-Mail für Vorgesetzte, Kollegen und Kunden erreichbar - die Hälfte davon jederzeit, ganz gleich ob am Abend, am Wochenende oder im Urlaub, so eine Studie des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom). Für die einen wird mit dem Einsatz neuer Kommunikationsmittel so eine Horrorvorstellung wahr, in der Arbeitnehmer ständig verfügbar sind und die 70-Stunden-Woche zum Alltag wird. Für die anderen bedeuten sie einen Gewinn an Flexibilität und mehr persönlicher Freiheit.

Fest steht: Die neuen Techniken verändern die Art und Weise, wie wir arbeiten und leben. Aufhalten lässt sich diese Entwicklung nicht. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten sie aber aktiv gestalten, damit beide Seiten profitieren. Richtig eingesetzt, können die neuen Technologien zu einer höheren Arbeitsproduktivität führen und zugleich mehr Freiräume, Motivation und Zufriedenheit für den einzelnen Mitarbeiter schaffen.

In der Informations- und Wissensgesellschaft setzen sich zunehmend neue Formen der Arbeit durch. An die Stelle der vormals üblichen Arbeitsteilung tritt die Zusammenarbeit. Statt konkreter Anweisungen vom Chef gibt es gemeinsam entwickelte Zielsetzungen. Aufgaben und Projekte werden in Teams erledigt, die sich selbst organisieren. Wie die Ziele im Einzelnen erreicht werden, bleibt der Arbeitsgruppe überlassen.

Die neuen Kommunikationsmittel ermöglichen und beschleunigen diese Trends. Computer, Internet und Handy führen dazu, dass Arbeit nicht mehr an bestimmte Orte und feste Zeiten gebunden ist. Die gesamte Arbeit vieler Berufstätiger steckt heute in einem Laptop. Eine Flut an Informationen wird immer schneller ausgetauscht. E-Mails sind heute schon Zeichen der Old Economy und werden durch Messaging-Systeme wie den Kurznachrichtendienst Twitter ergänzt, die eine schnelle, direkte Kommunikation ermöglichen. Web- und Videokonferenzen ersetzen Telefonkonferenzen. So können sich die Teilnehmer in unterschiedlichen Städten, Ländern oder Erdteilen Präsentationen zeigen oder gemeinsam an Dokumenten arbeiten - ohne zu reisen.

Viele dieser Veränderungen der Arbeitswelt gehen von den Arbeitnehmern selbst aus. 70 Prozent der Deutschen wünschen sich flexiblere Arbeitsbedingungen. Sie wollen ganz oder zumindest zeitweise von zu Hause aus arbeiten. Dahinter steht in der Regel der Wunsch, Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren zu können. Technisch ist das Homeoffice bei vielen Büro-Jobs dank schneller Datenleitungen kein Problem. Ein Hindernis ist eher die Sorge der Manager, die Kontrolle über ihre Mitarbeiter zu verlieren. Gleichzeitig nutzt rund die Hälfte der Büroarbeiter das Internet auch am Arbeitsplatz für private Zwecke. Die Grenzen zwischen Job und Privatleben sind also längst gefallen. Die Arbeitgeber sollten mit ihren Mitarbeitern klare Vereinbarungen treffen: Ob und wie darf man Handy und Internet privat nutzen? Wann sollte man außerhalb der üblichen Bürozeiten erreichbar sein?

Gerade die Bedürfnisse der Jüngeren ändern sich. Die kommende Generation der Arbeitnehmer, geboren in den 80er Jahren, ist bereits mit Handy und Internet aufgewachsen. Sie ist gewöhnt, schnell und direkt zu kommunizieren, sie diskutiert in Blogs, informiert sich bei Wikipedia und pflegt ihre Freundschaften in sozialen Online-Netzwerken wie Facebook oder StudiVZ. Den Netzwerkgedanken haben die in das Berufsleben drängenden "digital natives", also die in der digitalen Ära Geborenen, längst verinnerlicht und sie erwarten ähnliche Formen der Interaktion und Kollaboration deshalb auch in ihrem täglichen Arbeitsumfeld. Sie fordern ein Unternehmen 2.0, in dem neue, kreative Ideen und bessere Arbeitsergebnisse entstehen, weil Menschen über Hierarchie-, Abteilungs- und Fachgebietsgrenzen hinweg zusammenarbeiten. Einzelkämpfertum und Herrschaftswissen werden umgekehrt: Das Prestige des Einzelnen steigt, wenn er sich Kenntnisse erarbeitet und diese der Gruppe mitteilt.

Die Basis eines solchen Unternehmens ist eine entsprechende technische und organisatorische Infrastruktur. In firmeninternen Foren wie Wikis und Blogs tauschen Mitarbeiter Informationen aus und diskutieren fachliche Themen. Dabei kommt Wissen zu Tage, das sonst in Schubladen und Dateiordnern verschwunden wäre. In sozialen Netzen legen Mitarbeiter ein persönliches Profil mit ihren Kenntnissen und Erfahrungen an. Das ist in Organisationen mit Mitarbeitern auf der ganzen Welt von unschätzbarem Wert. In virtuellen Arbeitsräumen organisieren solche Teams ihre Arbeit: etwa die Abstimmung von Terminen, der Zugriff auf Dokumente oder die Pflege von Kontakten. Firmenintern teilen Mitarbeiter mit, woran sie gerade arbeiten, um eine schnelle Rückmeldung von Kollegen zu bekommen.

Die genannten Entwicklungen betreffen nicht nur die sogenannten Wissensarbeiter, also Produktentwickler, Marketingexperten, Personalmanager oder Controller. Ein Blog kann auch in der Produktion als Schichtleiterprotokoll eingesetzt werden. Der jeweils aktuellste Eintrag steht oben und jeder Mitarbeiter einer Arbeitsgruppe kann einsehen, ob es Probleme mit den Maschinen gab oder sich Produktionsfehler gehäuft haben.

Allerdings bringen diese Organisationsformen auch neue Anforderungen an die Mitarbeiter. Neben dem souveränen Umgang mit dem Computer zählen dazu die Fähigkeit zur Selbststeuerung und Kommunikation sowie Eigeninitiative und Verlässlichkeit. Teamfähigkeit und soziale Kompetenz werden künftig eine noch größere Rolle spielen. Wer diese Voraussetzungen mitbringt, wird mit mehr Verantwortung und mehr persönlichen Freiräumen bei der Arbeit belohnt. Gerade für hochqualifizierte Arbeitnehmer ist das eine der Grundbedingungen für Zufriedenheit im Job.

In vielen global aufgestellten Konzernen und bei einigen innovativen Mittelständlern werden die neuen Arbeitsformen bereits verwirklicht. Arbeitgeber in anderen Sektoren und insbesondere in der öffentlichen Verwaltung müssen nun folgen, wenn sie ihre Attraktivität für die Generation 2.0 nicht verlieren wollen.

Autor: August-Wilhelm Scheer

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Quelle: Süddeutsche Zeitung

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