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2010-10-15
Intuitionen auf Schloßhof Hain

BRalpha
Link zu verschiedenen Sendeausschnitten 

 



Auf den Spuren der Intuition - Pressetexte

13-teilige Serie von Ulrich Bohnefeld und Thomas Gonschior

Eine Produktion von Inter/Aktion GmbH im Auftrag von BR-alpha


„Intuition - die hat jeder Mensch, aber er weiß nicht, woher sie kommt“, sagt der Quantenphysiker und Träger des Alternativen Nobelpreises Professor Dr. Hans-Peter Dürr.

Jeder kennt Intuition. Doch was wirklich ist Intuition? Bauchgefühl, Geistesblitz, innere Anschauung, gefühltes Wissen - eine einheitliche Definition gibt es nicht. Jeder scheint unter Intuition etwas anderes zu verstehen. Wir haben uns für die Serie ‚Auf den Spuren der Intuition‘ auf den Weg gemacht und die verschiedensten Menschen besucht: Nobelpreisträger, Künstler, Olympiasieger, spirituelle Lehrer verschiedener Traditionen und Menschen, die im praktischen Leben stehen, ob Konzernchef oder Putzfrau, Investmentbanker oder Bergbauer. All diese Menschen haben eines gemeinsam: Intuition spielt in ihrem Leben eine wichtige Rolle. Sie lassen uns bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen und sprechen über ihre Erfahrungen im Umgang mit Intuition. Als Zuschauer entdecken und erleben wir so die verschiedenen Facetten dieses Begriffs. Manches wirkt vertraut, anderes ungewohnt und überraschend.

In allen Lebensbereichen spielt Intuition eine wichtige Rolle. In den 13 Folgen von ‚Auf den Spuren der Intuition“, haben wir dieses Phänomen jeweils aus einem anderen Blickwinkel beleuchtet:


  1. Intuition wird neu entdeckt

  2. Was steht der Intuition im Weg?

  3. Die Quellen der Intuition

  4. Wie finden wir zur Intuition?

  5. Empathie als Grundlage der Intuition

  6. Intuition im Miteinander

  7. Der inneren Stimme lauschen

  8. Intuition in der Pädagogik

  9. Intuition in der Arbeitswelt

  10. 10 Intuition als Grundlage der Kreativität

  11. Intuition in den Grenzbereichen der Wahrnehmung

  12. Mit Intuition zur ganzheitlichen Sicht

  13. Mit Intuition die Zukunft gestalten








Folge 1: Intuition wird neu entdeckt

„Ich denke, also bin ich“ – mit diesem berühmten Satz formulierte der Philosoph René Descartes im 17. Jahrhundert das Weltbild, das uns seit 400 Jahren prägt. Das rationale Denken ist das Fundament unserer Kultur. Doch dieses Weltbild beginnt kräftig zu wanken. In allen Lebensbereichen gewinnt Intuition eine größere Bedeutung, selbst da, wo man es noch kaum vermuten würde: in der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Politik. Mit der Komplexität der modernen Welt ist unser Verstand, unser rationales Denken allein überfordert. In vielen Bereichen stoßen wir heute an unsere Grenzen.

„Ich behaupte, es gibt keine wirkliche Deutung unseres Lebens aus der Rationalität heraus. Wir müssen tiefer forschen. Wir müssen auf einer Ebene forschen, wo wir mehr begreifen, von dem was wir sind und was wir Evolution nennen und aus dieser Ebene kommt auch die Intuition“, sagt der Benediktinerpater und Zen-Meister Willigis Jäger. Er sieht das Wiederentdecken der Intuition in unseren Tagen als lebenswichtigen Schritt in der Evolution der Menschheit. Es ist ein Bewusstseinssprung, der sich auf die Grundfragen unseres Lebens bezieht: Wer bin ich? Woher komme ich? Was ist meine Aufgabe in diesem Leben?


Folge 2: Was steht der Intuition im Weg?

Intuition durchdringt alle Bereiche unseres Lebens. „Für mich ist Intuition überlebenswichtig“, sagt der Seiltänzer Dimitri. „Ich glaube, es geht nichts ohne Intuition“, meint auch Ralph Linde, Leiter der Personalentwicklung des VW-Konzerns. Doch oft wagen wir nicht, auf unsere Intuition zu hören. Denn wer seiner inneren Stimme folgt, muss Kontrolle und exakte Planbarkeit aufgeben, an die sich unser Verstand klammert. Das fällt uns oft nicht leicht. „Intuition macht uns deshalb Angst, denn wir sind eine kontrollsüchtige Gesellschaft“, glaubt der Liedermacher Konstantin Wecker. Auch Intuitionsforscher Professor Dr. Gerd Gigerenzer, Direktor am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung bestätigt: „Die Überbewertung von analytischen Fakten, das heißt, von Entscheidungen, die alleine auf nachvollziehbaren Gründen beruhen, führt dazu, dass viele Menschen sich immer mehr in einem Käfig von Angst und Befürchtung befinden. Intuition kann man nicht begründen. Das führt dazu, dass wir versuchen, Entscheidungen von außen absichern zu lassen, etwa durch Beratungsfirmen oder durch komplizierte Computerprogramme. Die Auswirkung dieser defensiven Haltung gegenüber der Intuition spürt die gesamte Gesellschaft: Riesige Kosten, viele Fehlentscheidungen und Aufschub der Probleme sind die Folgen.“


Folge 3: Die Quellen der Intuition

Intuition wird unterschiedlich erfahren: als Bauchgefühl, als Gedankenblitz oder als spontaner Handlungsimpuls. Intuition kommt vom Lateinischen ‚intueri‘; das heißt: nach innen schauen‘. Intuition ist ein Wissen von innen heraus. Doch woher kommt das Wissen? Was sind die Quellen der Intuition?



Der Neurobiologe, Arzt und Psychotherapeut Professor Dr. Joachim Bauer meint: „Intuition ist eine biologische Resonanz, die in uns entsteht, ohne dass wir bewusst darüber nachdenken und ohne dass wir das kontrollieren können. Wir haben sogenannte Spiegelnervenzellen, die in uns diese Resonanz auslösen.“ Das schnelle intuitive Wahrnehmen ist auch im Sport entscheidend: „Intuition ist etwas, worüber man nicht nachdenken muss, das automatisch abläuft“, sagt der Judo Olympiasieger von 2008, Ole Bischof. „Es geht darum, in diesen ‚Flow‘ zu kommen. Das heißt, total im Moment sein, und dann fühlt man, jetzt ist alles stimmig, und dann passiert es einfach“, sagt er. Um in diesen Zustand des ‚Flow‘ zu kommen, ist viel Training und Erfahrung nötig.

Überhaupt bilden unsere Erfahrungen eine wichtige Quelle für unsere Intuitionen. „Es gibt keine Erinnerung oder Erfahrung in uns, die nicht mit einem Gefühl gekoppelt wäre. Und diese Gefühle können zur Quelle unseres intuitiven Handelns werden“, meint der Hirnforscher Professor Dr. Gerald Hüther. Entscheidend ist, ob man bereit ist wahrzunehmen, was in einem vorgeht, was man spürt. „Hören auf die innere Stimme, seinen Gefühlen vertrauen und dann den Mut haben, danach zu handeln“ ist für die Sängerin und Liedermacherin Gila Antara das in Resonanz sein mit der Natur. „Intuition hat für mich sehr viel zu tun mit seelischer Beeindruckbarkeit. Ein Granitblock oder ein typischer Betonschädel kann gar nicht hineinkommen in den Prozess einer Intuition“, sagt der Klangforscher Alexander Lauterwasser. „Intuition kommt aus der Tiefe unseres Bewusstseins. Da, wo nichts ist, entsteht das, was ich Intuition nenne“, sagt der Benediktinerpater und Zen-Meister Willigis Jäger.


Folge 4: Wie finden wir zur Intuition?

Zur Intuition finden wir nicht durch scharfes nachdenken oder analysieren und doch haben wir alle Intuition, das heißt, ein Gefühl für das Richtige im richtigen Moment.

Bei den Naturvölkern gibt es noch das Wissen, sich mit dieser unsichtbaren Welt zu verbinden, sagt der Sonnenpriester der Inka Naupany Puma: „In unserer universellen Philosophie werden Himmel und Erde durch uns Menschen verbunden. Zugang zu der wahren Essenz dieser Philosophie erreichen wir durch Zeremonien. Das ist die Sprache, um mit der anderen Welt zu kommunizieren, die es gibt, die wir aber nicht sehen können.“

„Man kann Intuition nicht wollen oder erzwingen, man kann nur offen sein und sie geschehen lassen“, lehrt der Benediktinerpater und Zen-Meister Willigis Jäger. Es ist eine individuelle Erfahrung, egal ob beim Joggen, Kochen oder Kartoffeln schälen. Wenn wir nicht mehr nachdenken, sind wir frei für Intuitionen. „Jeder Mensch macht die Erfahrung, wie Intuition funktioniert, jeden Tag. Wir brauchen nur in einen Bäckerladen zu gehen und sofort spüre ich, was ist das für ein Spirit in diesem Laden?“, fragt Paul Kohtes, PR-Manager und Zen-Lehrer.

„Entscheidend ist, dass ich total im Geschehen bin mit meinem Bewusstsein, dann trifft mich die Intuition, dann ist sie in mir, dann kann ich aus ihr agieren,“ sagt die Atemtherapeutin Herta Richter.



Für den Quantenphysiker Professor Dr. Hans-Peter Dürr ist geistige Offenheit entscheidend: „Das was du erlebst, ist ein Gleichnis für das, was dahinter ist, und du kannst es schon erfahren, wenn du offen bist für das Neue.“

Neue Wege gehen, offen sein für unerwartete Impulse war auch der Antrieb für Reinhard Flatischler, dem Gründer der TaKeTiNa-Rhythmuspädagogik: „Intuition ist ein Geschenk, das auf mich wartet. Wenn ich es aber haben will, kommt nichts. Wenn ich aber in mir diesen Raum, diese Netzwerke schaffe und meine Antennen ausstrecke, ist es schon da. So sehe ich Intuition“, sagt Reinhard Flatischler.


Folge 5: Empathie ist die Grundlage der Intuition

„Empathie ist die Grundlage des intuitiven Verhaltens“, sagt der Züricher Psychoanalytiker Professor Dr. Arno Gruen. Empathie heißt Mitgefühl, fühlen, was der andere fühlt. Nur wer mit anderen mitfühlen kann, ist auch fähig, seine eigene Intuition wahrzunehmen. Doch wie lernen wir Empathie? Und warum ist die frühe Prägung so entscheidend für unsere menschliche Entwicklung und somit für unseren Zugang zur Intuition? „Wenn ein Kind so sein muss, wie die Eltern es im Kopf haben, damit sie sich als Eltern wohlfühlen, dann wird das Eigene verworfen“, sagt Prof. Arno Gruen. Wer sein Selbst, seine innere Stimme verleugnet, kann auch keinen Zugang mehr zur Intuition finden.

Die Neurowissenschaftlerin Professor Dr. Tanja Singer versucht die Grundlagen der Empathie wissenschaftlich zu erforschen: Seit einigen Jahren stellt sich der französische Molekularbiologe und buddhistische Mönch Dr. Matthieu Ricard für ihre Studien zur Verfügung, in denen sie den Einfluss von Meditation auf das Gehirn untersucht. Er kann bewusst Gefühle wie Liebe und Mitgefühl in sich abrufen. „Auf Dauer ändert Meditation dich selbst, das kann jeder für sich nutzen, der einen Veränderungsprozess durchmachen möchte.“ sagt Matthieu Ricard.

Die Bewährungsprobe für unsere Fähigkeit zu Mitgefühl zeigt sich im Alltag, wenn wir etwa mit anderen Menschen in Konflikt liegen. Für die Schriftstellerin Safi Nidiaye liegt der Schlüssel zur Lösung unserer Probleme darin, dass wir wieder Zugang zu unserem Herzen, zur Weisheit unserer Gefühle finden.

Die Jazz-Sängerin Lisa Wahlandt vertraute ihrer Intuition, ihrem innersten Gefühl. Sie wagte trotz vieler äußerer Widerstände, dem Ruf ihrer Seele zu folgen und wurde Musikerin.


Intuition kann einen Zugang öffnen, zum inneren Raum der verletzten Gefühle. Der Psychologe und Psychotherapeut Professor Dr. Franz Ruppert nutzt dabei die Therapieform der sogenannten Familienaufstellung: „Wenn ich darüber nachdenke, was ich unter Intuition verstehe, dann ist es die Einheit von Körper, Geist und Seele. Was die Intuition stört, sind traumatische Erfahrungen“, sagt er. Große Angst etwa kann uns abspalten von anderen Wahrnehmungsebenen in uns. Ziel seiner Arbeit ist es, das Trauma der Abspaltung zu überwinden und wieder eine Stimmigkeit zwischen Denken, Körperempfindungen und Emotionalität zu erreichen.


Der Benediktinerpater Dr. Anselm Grün spricht vom göttlichen Kind in uns, vom Gewissen, das erkennt was für uns stimmig ist. „Gewissen kommt vom lateinischen ‚conscientia‘ – „Mitwissen“, das heißt nicht nur ich weiß, sondern Gott in mir weiß. Gewissen hat immer mit Gott zu tun“, sagt er.


Folge 6: Intuition im Miteinander

„Ohne dass wir das Wohl des Ganzen im Auge haben, erleben wir gar keine Intuition“, sagt die Ethnologin Dr. Christina Kessler. Dieses Miteinander beschränkt sich nicht auf andere Menschen, sondern bezieht die ganze Natur mit ein. Der Benediktinermönch und Autor Dr. Anselm Grün ist der Ansicht: „Die Krankheit unserer Zeit ist die Beziehungslosigkeit, viele Menschen sind nicht in Beziehung zu sich selber, zu den Dingen, nicht in Beziehung zu Gott. Intuition meint ja nach innen schauen, meint ja Beziehung aufnehmen zu mir selber und zu dem Anderen, in seine Seele hinein schauen, spüren was er ist und was er braucht, so dass etwas fließt zwischen uns.“ „Wir können intuitiv spüren, ob sich ein Igel, oder eine Pflanze wohl fühlen“, sagt der Landwirt Sepp Holzer. Auf seinen Reisen um die Welt spricht er über das, was ihm die Natur mitteilt. Es ist unsere Verantwortung, der Intuition zu folgen, die uns neue Möglichkeiten im Miteinander eröffnet. „Das ist der Auftrag aus der Natur, es weitergeben, nicht patentieren, dazu hat man kein Recht“, meint Sepp Holzer. Uns Menschen prägt vor allem das Zusammensein mit anderen Menschen. Mit anderen in Beziehung zu sein, ist auch eine Voraussetzung für Intuition. „Es muss damit zusammen hängen, dass man diese zwei Bedürfnisse hat: wachsen wollen und dazu gehören wollen, dann müssen alle Intuitionen dahin gehen, dass man Bedingungen schafft, die das ermöglichen,“ sagt der Hirnforscher Professor Dr. Gerald Hüther. Entscheidend ist, den Blick zu weiten, über seine persönlichen Bedürfnisse hinaus. „Wenn man mit anderen zusammen Dinge anstrebt, die wiederum für andere sein sollen, dann hat man einen schönen Nährboden für Intuition geschaffen“, sagt Götz Werner, Gründer und Gesellschafter der dm-Drogeriemärkte. Voraussetzung für den richtigen Umgang mit unserer Intuition ist eine Auseinandersetzung mit uns selbst. Ralph Linde, der Leiter der Personalentwicklung bei Volkswagen meint: „Bin ich ein Mensch, der auf Macht aus ist, dann werden sich meine intuitiven Entscheidungen an diesem Muster orientieren. Was man lernen kann, ist diese Muster zu erkennen, an dem sich meine Intuition entlang hangelt. Ich erfahre etwas über mich, über meinen Resonanzboden und das ist eine Form von Selbsterkenntnis, die mir helfen kann, weil ich vielleicht nicht mein ganzes Leben diesen Mustern folgen möchte.“


Folge 7: Der inneren Stimme lauschen

Die innere Stimme kennt jeder. Sie führt uns durch das Leben. Doch oft hören wir nicht auf sie. Der Alltag mit seiner Hektik, seinem Stress stimuliert uns ohne Unterbrechung. „Das macht es schwer, in sich hineinzuhören“, sagt der amerikanische Autor Paul Ferrini. Das sind oft laute, aufdringliche, befehlende, zweifelnde, nörgelnde, unzufriedene Stimmen, die sich aufdrängen.

Wie können wir die Verbindung zur Quelle in uns wieder herstellen? Wie lernen wir, auf die innere Stimme zu lauschen? „Intuition ist das innere Wissen, hinter den Worten“, sagt die buddhistische

Nonne und Lehrerin Jetsunma Tenzin Palmo. Der Liedermacher Konstantin Wecker meint: „ In meiner Kunst habe ich mich nie verbogen, und das hab ich alles ausschließlich der Intuition zu verdanken.“

Jeder erfährt die innere Stimme auf seine ganz eigene Art. Die Psychologin Dr. Regina Obermayr-Breitfuß hat über 20 Jahre zum Thema Intuition geforscht: „Die Sätze sind kurz, sie sind ganz präzise und es war spontan auch eine Freude da“, sagt sie über ihre Untersuchungen zur inneren Stimme.

Die Naturpädagogin Petra Bunke hat im Umgang mit ihrer inneren Stimme die Erfahrung gemacht, „dass ich selber die Freiheit habe, möchte ich es umsetzen oder nicht. Doch wenn ich den Impuls nicht umgesetzt habe, war oft auch die Gelegenheit vorbei, die eigentlich ganz günstig war“, sagt sie. „Diese Führung durch die innere Stimme können wir mehr oder wenig bewusst erleben. Die innere Führung ist immer spontan und direkt“, betont der Autor Paul Ferrini , „und meine Führung, ist nicht wie deine Führung, sie ist individuell und einzigartig“, sagt er.


Folge 8: Intuition in der Pädagogik

Unser Leben beginnt mit intuitivem Lernen: „In der Frühphase des Lebens spielt die intuitive Kommunikation zwischen den Babys und den Eltern eine herausragende Rolle für die Entwicklung der Kinder“, sagt Professorin Dr. Mechthild Papoušek, die Leiterin der Forschungs- und Beratungsstelle am Kinderzentrum in München. Vor allem für die Fähigkeit, sich emphatisch in die Gefühle des Gegenübers hinein zu versetzen, wird ganz früh im Leben die Grundlage gelegt durch eine intuitive Verständigung zwischen Eltern und Kind. „Eltern haben oft einen ganzen Bücherschrank voll mit Ratgebern und Zeitschriften, doch das lenkt im Grunde nur ab, sich vom Baby leiten zu lassen und darauf kommt es an. Intuition in der frühen Kommunikation der Eltern mit ihrem Baby ist für mich der schönste Schatz, den wir von der Natur mitbekommen haben. Und wir sollten alles tun, um ihn zu schützen, zu bewahren und nicht zu stören“, sagt Professorin Papoušek.

Kleine Kinder lernen von sich aus und haben eine hohe Motivation zu lernen. Später, in der Schule, kommt diese Motivation nicht selten zum Erliegen. „Wichtig für den Erfolg ist, dass Kinder das lernen können, was sie wirklich interessiert“, sagt Pär Ahlbom. Seit über drei Jahrzehnten erarbeitet er mit seinen Kollegen im schwedischen Järna Grundlagen einer intuitiven Pädagogik. „Die Kinder hier wissen oft gar nicht, dass sie lernen. Sie werden einfach vertraut, mit gewissen Themen. Später im Leben wundern sich unsere Schüler oft: „Ich weiß gar nicht, wo ich das alles gelernt habe, wir hatten doch hauptsächlich Spaß in der Schule“, erzählt Pär Ahlbom.

Damit eine intuitive Pädagogik gelingen kann, müssen vor allem die Lehrer Zugang finden zu ihrer eigenen Intuition. „Intuition ist das, was uns wieder mit uns selbst verbindet“ sagt der Göttinger Hirnforscher Professor Dr. Gerald Hüther. „Wenn ich als Lehrer wie eine Pappfigur Arbeiten durchziehe, die das Kultusministerium verlangt, dann müsste das Gefühl im Bauch sagen: Das kann es nicht sein. Darum bin ich nicht Lehrer geworden“, sagt er. „Pädagogik sollte helfen, Potenziale zu entfalten und das braucht die Inspiration, die Ermutigung, dass man auf seine innere Stimme hört.




Doch wenn man im Industriezeitalter in erster Linie Leute haben will, die ordentlich funktionieren und die Maschinen bedienen, ohne Gefühl, dann braucht man auch ein Schulsystem, das solche Menschen hervorbringt“, meint Professor Hüther.


Folge 9: Intuition in der Arbeitswelt

Lange Zeit wurde in der Wirtschafts- und Arbeitswelt über Intuition nur verschämt gesprochen. Das hat sich in jüngster Zeit deutlich geändert: „Wenn eine Firma etwas herstellt, das sich über Jahre nicht verändert, dann stand Disziplin im Vordergrund. Intuition war dann nicht wichtig. So funktioniert aber heute keine Firma mehr“, sagt der Physiknobelpreisträger und erfolgreiche Unternehmer Professor Gerd Binnig.

Der Zwang zu Innovation und Veränderung macht in der modernen Arbeitswelt vor nichts mehr halt. Ob in kleinen Familienunternehmen oder großen Konzernen, überall wird deshalb die Bedeutung der Intuition sichtbar, wenn es um Produktinnovation, Personalmanagement, Prozessorganisation oder Erfindungen geht. Intuitionstraining für Manager in verschiedensten Formen erlebt gerade eine Hochkonjunktur.

„Ich glaube, dass man Intuition ganz gut mit einer Firma vergleichen kann“, meint Professor Binnig. „Da gibt es einen Sprecher, das Management einer Firma. Das entspricht dem, was wir Ratio oder Verstand nennen. Das ist was nach außen wirkt, mit der Umgebung kommuniziert. Intuition ist dann eigentlich das Leben, die Kommunikation innerhalb einer Firma“, meint Professor Binnig. „Wenn Sie einen Großkonzern nehmen und sagen, hier denken nur fünf Leute und der Rest befolgt lediglich deren Anweisungen. So eine Firma käme nicht sehr weit. In einer großen Firma ist eine riesige Intelligenz vorhanden, verteilt auf viele Menschen und die kommunizieren miteinander. So, denke ich, arbeitet auch unsere Intuition. Sie ist unsere verborgene Intelligenz, aber macht den größten Teil unserer Intelligenz aus.“

Intuition als Kommunikation innerhalb einer Struktur – Dr. Otto Greiner macht sich genau diese Strategie zu Nutze, wenn er als Projektleiter große Baustellen betreut. Hier treffen sich Intuition und Kybernetik, die Steuermannskunst, oder die Kunst ein Unternehmen mit komplexen Handlungssystemen sicher zu führen.


Folge 10: Intuition als Grundlage der Kreativität

„Alle Kreativität kommt aus einem Urgrund, der mit Rationalität nicht mehr zu tun hat. Die Kunst ist die Schwester der Mystik, das was ich plötzlich intuitiv begreife und in ein Bild oder eine Musik bringe“, sagt der Benediktinerpater und Zen-Meister Willigis Jäger.

Kreativität gibt es nicht nur in der Kunst. Sie durchströmt die gesamte Evolution. „Wie entstand das erste Auge oder der erste Schmetterling?“, fragt der englische Biologe Professor Dr. Rupert Sheldrake. „Es gibt eine der Natur innewohnende Kreativität. Sie beruht auf einer höheren Ordnung,


die durch uns wirkt. Das deckt sich auch am besten mit den Erfahrungen kreativer Menschen“, meint Professor Sheldrake.

„Wem nichts einfällt, der ist kein Künstler. Das heißt, die Intuition und Inspiration sind die wesentlichen Elemente der künstlerischen Produktion“, sagt Professor Dr. Siegfried Mauser, Präsident der Musikhochschule München. „Was da einfällt, das bleibt weitgehend im Numinosen. Ich glaube das hat eine spirituelle Dimension“, meint Professor Mauser. „Die großen Komponisten waren für mich eine Art Tankwarte, die bestimmte Zapfsäulen haben, wo sie Quellen anzapfen, die uns Normalsterblichen nicht zugänglich sind.“

Der Künstler Igor Sacharow-Ross schöpft in seinem Schaffen vor allem aus seinen Erfahrungen und Erinnerungen aus seiner Kindheit in Sibirien. „Ich glaube, dass jeder Mensch das tiefe Bedürfnis hat, sich von innen heraus auszudrücken, so wie es für ihn stimmig ist und ihm entspricht. Das ist in jedem“, meint die Kreativitätstrainerin Christine Paro Bolam.


Folge 11: Intuition in den Grenzbereichen der Wahrnehmung

In unserem Weltbild wird die Möglichkeit außersinnlicher Wahrnehmung meist belächelt. In anderen Kulturen ist sie selbstverständlicher Bestandteil des Alltags. „Wenn man die Intuition trainiert, wächst die Fähigkeit der subtilen, feinen Wahrnehmung. Naturvölker haben noch einen viel offeneren Zugang zur Intuition“, sagt die Ethnologin Dr. Christina Kessler.

Naupany Puma ist ein Sonnenpriester der Inka. Er nutzt seine intuitiven Fähigkeiten vor allem, um Menschen zu heilen. „Die Heilung wird durch eine Energie hervorgerufen, die ich nicht erklären kann. Ich sehe auf eine andere Art, kann die Aura und den Geist einer Person wahrnehmen und dann durch Zeremonien eine Heilung einleiten. Die Krankheit sitzt nicht im Körper, sondern im Geist“, sagt er.

Was ist Wirklichkeit? In der modernen Physik ringen Wissenschaftler seit der Entdeckung der Quantenphysik mit neuen, revolutionären Ansätzen in der Betrachtung der Welt. Für den Wiener Experimentalphysiker Anton Zeilinger ist nicht mehr Materie, sondern Information, also Sinn und Struktur, der Urstoff des Universums. Sind so auch intuitive Phänomene erklärbar, wie etwa die Möglichkeit der Fernwahrnehmung? Die Psychologin Dr. Regina Obermayr-Breitfuß aus Linz sieht wissenschaftlich bestätigt, dass Menschen selbst aus weiter Entfernung Informationen über Beschaffenheit, Aussehen oder Geschichte beliebiger Gegenstände intuitiv erfassen können.


Wie weit reichen unsere intuitiven Fähigkeiten? Beim Familienaufstellen, einer populären Therapieform, zeigt sich, dass Menschen in der Lage sind, die Geschichten, Traumata und Erlebnisse anderer Menschen über die Grenzen von Zeit und Raum hinweg wahrzunehmen, wie wir in einer Sitzung mit dem Psychologen und Psychotherapeuten Professor Franz Ruppert sehen.




Folge 12: Mit Intuition zur ganzheitlichen Sicht

Der Wunsch, uns selbst und die Welt zu erkennen, ist Teil unserer Natur. Woher komme ich? Wohin gehe ich? Wer bin ich? Unsere Intuition lässt uns ahnen, dass wir nicht nur getrennte Individuen sind, sondern auch mit allen Elementen des Lebens in Verbindung stehen. Intuition selbst verbindet Denken und Fühlen, Empfinden und Erkennen und durchschaut die Dinge in einem Augenblick.

„Mit Hilfe der Intuition greifen wir auf ein größeres Wissen zu, das nichts mit unserem privaten Wissen zu tun hat, es ist die Sichtweise in die größere Welt“, sagt der Quantenphysiker Professor Dr. Hans-Peter Dürr. Wir leben in einer Zeit, in der wir spüren, dass es ums Ganze geht.

„Die gesamte Menschheit, das Ökosystem, unser Planet, das Sonnensystem – wir sind ein Teil all dessen und sind mit allem verbunden, “ sagt der Biologe Rupert Sheldrake.

„Im tiefsten Grunde, im Unterbewussten nimmt der Mensch die Welt als Ganzes wahr, und er reagiert und interagiert nicht mit einzelnen Faktoren dieses Lebens, sondern mit dem Leben als Ganzes“ so sieht es auch der Künstler Professor Igor Sacharow-Ross.

„Wenn wir durch alle unsere Schichten hindurch sind, ist im Innersten etwas ganz Universelles. Im Prozess der Intuition vollzieht sich eine gegenseitige Berührung des höchst Individuellen mit dem Ganzen.“, sagt der Klang- und Resonanzforscher Alexander Lauterwasser.

„Diese Einheit zu erfahren ist entscheidend und aus dieser Einheitserfahrung, aus dieser Verbundenheit kommen soziale Verantwortung, Gemeinschaftsgefühl, das was wir Liebe nennen.“, vertieft der Zen-Meister Willigis Jäger.

In der gegenseitigen Abhängigkeit alles Bestehenden liegt die Grundweisheit des Buddhismus – das Eine enthält das Ganze. Der Zen-Meister Thich Nhat Hanh sagt: „Intuition ist eine direkte Wahrnehmung, unabhängig vom Denken oder Vergleichen. Wenn die Intuition, die Einsicht kommt, bricht man in freudiges Gelächter aus. Es ist wie die Freude, etwas Verlorenes zu finden, das man die ganze Zeit in seiner Tasche hatte. Es ist ein Moment der Freude.“


Folge 13: Mit Intuition die Zukunft gestalten

„Das wirklich Neue kann nur durch Intuition kommen“, sagt der österreichische Quantenphysiker Anton Zeilinger. Neu ist auch die Weltsicht der modernen Wissenschaften: Nach unserer gewohnten Weltsicht gibt es eine Wirklichkeit unabhängig von uns. In der modernen Physik erscheint Wirklichkeit als Konstruktion unseres Bewusstseins. Wir selbst sind Mitgestalter unserer Wirklichkeit.


Doch welche Welt schaffen wir für uns und unsere Kinder? „Das wissen sicher viele, dass sie nicht verantworten können, was sie machen. Diese Respektlosigkeit gegenüber der Natur und der Schöpfung. Es geht nur um ausbeuten und ausnutzen“, sagt Bergbauer und Agrarrebell Sepp Holzer.


Wir alle sehnen uns nach einer harmonischen Welt, nach einem menschlichen Miteinander in allen Lebensbereichen. Wie können wir die Vision einer lebenswerten Welt Wirklichkeit werden lassen? „Intuitiv weiß das jeder. Die Menschen müssen wieder Zugang zu sich selbst finden. Intuitiv spüren, was sie ursprünglich einmal wollten und dann gelingt es“, sagt Hirnforscher Professor Gerald Hüther.

„Sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch“, sprach Jesus Christus gemäß der Bibelübersetzung von Martin Luther. „Intuition, mit all dem, was die geistige Tradition durch Kontemplation und Meditation damit verbindet, ist ein Weg in den inneren Raum der Stille, wo ich nicht nur auf mich stoße, sondern letztlich auf Gott“, sagt der Benediktinerpater Dr. Anselm Grün.

Wie wir die Welt wahrnehmen und mit ihr interagieren, bestimmt unser Leben. In welcher Welt können wir leben, wenn wir zu unserem inneren Potenzial erwachen, wieder lernen unsere Intuition wahrzunehmen?


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